Love Is In The Air, 1997

Titeln till denna installation hämtades från den välkända schlagern som firar kärlekens antigraviterande aspekter. Huvudverket i utställningen, Airy Fairy, består av en exploderad kammare där rummet strippats in på bara skelettet. En stålbur doppad i hudfärgat gummi bär upp ett tjugotal fläktar. I centrum av varje snurrande fläkt, riktad mot besökaren i rummets mitt, är en avgjutning av en tunga placerad. I det angränsande rummet projiceras två videoprojektioner på väggarna. Den ena visar en cowboy med att lasso som roterar kring hans huvud och kropp. På den motsatta väggen befinner sig en kvinna inskriven i en loopad rockring.

Airy-Fairy
Gummi, stål, fläktar, gips, kabel
400 x 400 x 380 cm
Foto: David Brandt
Bigert & Bergström 1997

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Kunstforum No.140, 1998 Jutta Schenk-Sorge Bigert und Bergström "Love is in the Air" Galerie Barbara Thumm, Berlin, 6.12.1997 - 31.1.1998

Blickt man von der Strasse in die Galerie, wirkt die Installation unspektakulär. Ein Stahlrahmen markiert die Konturen eines imaginären Raumes, knapp Zwanzig an dem Gerüst befestigte Ventilatoren kreisen vor sich hin. Die solide Konstruktion suggeriert Normalität. Doch wie die Bilder des Surrealsiten RenŽ Magritte, deren penible Malweise den flüchtigen Betrachter in Sicherheit wiegen, so arbeitet die Installation des schweidischen Künstlerduos Bigert und Bergström mit Zeitzünder. Denn natürlich sind diese unermüdlich, in unterschiedlichem Takt ihre Köpfe hin und her schwenkenden Ventilatoren nicht gerade das Normale.

Noch absurder scheint, dass jeder von ihnen in der Mitte eine spiz züngelnde menschliche Zunge zeigt, fleischfarben, wie die Ventilatoren und das Stahlgerüst auch. Fasziniert und abgestossen zugleich, erlebt der Betrachter im Zentrum des luftigen Raumgerüsts, wie alle diese rosa Zungen obsessiv um die eigene Achse rotieren und gleichzeitig aggressiv und anzüglich auf ihn zielen. Die neue, zweiteilige Installation unter dem Motto "Love is in the Air" führt ein zentrales Thema von Bigert und Bergström schlüssig fort.
Methodisch an wissenschaftlichen Praktiken angelehnt, sind sie bestrebt, durch einen präzise gestalteten formalen Rahmen ein spezifisches mentales Klima zu erzeugen, das unmittelbar auf den Betrachter einwirkt.

Der zweite Teil der Installation ergänzt und erweitert die inhaltliche Bandbreite des Ganzen mit zwei Videoprojektionen. Rechts lässt eine Allerweltsfrau einen Hula-Hoop-Reifen um die Hüften kreisen, links schwingt ein Mann sein Lasso auf und ab un die eigene Gestalt. Die Bilder pulsieren im Rhytmus dieser Bewegungen, sexuelle Konnotationen sind offensichtlich. Doch obwohl das Paar sich Wand zu Wand gegenübersteht, bleibt jeder in der Endlosschleife seines selbstbezogenen Tuns gefangen. "Weightless Gravity" ist dieser Videopart betitelt und bei längerer Betrachtung scheint er die geistigeVerfassung von Milan Kunderas Erfolgstitel "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" in Bildern zu komprimieren. Der vordere "Ventilatorenkäfig" dagegen, den die Künstler "Airy-Fairy" benannten, was etwa luftige Wunschvorstellungen bedeutet, bietet ein noch weiteres Assoziationsfeld. Pausenlose, frenetische Verführung, Werbung, Konsum, Singledasein und Befriedigung des Selbst in Jeglichem Sinne sind angedeutet. Dabei ist es nicht ohne Ironie, dass ausgerechnet ein Künstlerduo - Mats Bigert, geboren 1965, und Lars Bergström, geboren 1962, arbeiten seit über einem Jahrzehnt zusammen - das Thema der unaufhebbaren Vereinzelung des Menschen so deutlich anspricht. Ihre gemeinsame künstlerische Arbeit begann allerdings mit einem anderen Schwerpunkt. Als Auslöser wirkte ein wissenschaftliches Experiment, das "Biosphere II" - Unternehmen zu Beginn der 90er Jahre in Arizona met dem Versuch, ein autonomes Ökosystem nachzubilden. Das Utopische, die Sehnsucht des Menschen, seine eigene Welt zu schaffen und die Naturgewalten in domestizierte Formen zu bannen, faszinierte die Künstler. Schwedens klimatisch extremere "Naturnähe" mag eine Rolle gespielt haben.

Bigert und Bergström konstruierten ihr eigenes "Biosfär III" und erhoben mit ihren "Klima-Kammern" den Publikumsschock zum Prohgramm. In laborartigen Gehäusen wurden die Besucher elementaren Empfindungen ausgesetzt, Hitze, Kälte, Dampf oder Sturm. Solche Versuchsanordnungen, die Besucherreaktionen hgeradezu erzwingen, knüpfen an Bruce Naumans Korridore und ähnlichem an. Allerdings setzt der Amerikaner stärker auf Psychologisches, eine Richtung, die das Schwedenduo ebenfalls bald einschlug. Heute betrachten sie ihre Projekte als "investigation of the sense", geht es um "mental climates" und die Konstruktion von Kunstwelten. Dieser Themenkomplex gewinnt zunehmend an Brisanz. Seit langem schon ist Las Vegas der Prototyp einer Kunstwelt in flirrender Wüstenhitze und die sogenannten Spassbäder mit simulierten Palmenstränden führen das fort. Neue Qualitäten erreicht man allerdings durch künstliche Stimulierung der Sinne per Computer, wodurch die Frage nach authentischen oder artifiziellen Sinnesreizen obsolet wird. Bigert und Bergströms Projekte spiegeln die aktuellen Strategien wider. Parallelen finden sich in Carsten Höllers "Glückslandschaften", die man vor zwei Jahren im Kunstverein Hamburg bzw. Köln zum Genuss anbot.

An eigenen Welten basteln auch Andrea Zittel mit ihren Wohneinheiten oder das Atelier van Lieshout mit seinen Wohnwagen. Dabei gilt die Prämisse: der Betrachter wird zum Akteuer. Die Künstler geben den Rahmen vor, das eigentliche Werk realisiert sich erst in der Mitwirkung des Publikums. Ganz auf diesen Aspekt zielte Bigert und Bergströms Projekt "Therapie-Taxi", bei dem eine "Psycho-Ambulanz" mit Künstlern als Fahrer und Gesprächspartner bei seelischen Verstimmungen für "Patienten" bereitstand. Die beiden Schweden, die nach einem stipendium in Haus Bethanien seit 1995 auch in Berlin leben, bewegen sich somit im Rahmen der aktuellen Tendenzen, gewinnen jedoch zunehmend eigene Prägnanz. Ihre Berliner Installation "Bubbelgum Pink" von 1996 wirkte stimulierend, besass aber noch den Nachteil, in drei Räumen eine Vielfalt von Botschaften abzufeuern, die zum Teil unverbunden verglühten. Eine hermetische Zelle in Bubbelgum-Rosa, einer Farbe die angeblich in amerikanischen Gefängnissen als Beruhigungsmittel dient, wurde von Schmauchspuren an der Wand ergänzt, die Assoziationen an den elektrischen Stuhl und andere Kurzschlüsse weckten. Dazu kam eine Formation von Monitoren mit selbstgenügsam plappernden Papageien.

Die bunten Vögel faszinierten nachhaltig, da sie ihr Rätsel nicht preisgaben. Gemessen an "Bubbelgum Pink" gelang es Bigert und Bergström in der jüngsten Installation, durch knappere Mittel ihre Aussagen noch pointierter zu fassen, ohne illustrativ zu werden. Auf die nächste Arbeit, die Ausstattung des schwedischen Pavillions bei der Expo 98 in Lissabon, kann man gespannt sein.

Love Is In The Air
2-kanal videoprojektion
Foto: David Brandt
Bigert & Bergström 1997
Love Is In The Air
2-kanal videoprojektion
Foto: David Brandt
Bigert & Bergström 1997

Kontakt

Studio Bigert & Bergström

Adress:
Västmannagatan 73, ög
113 26 Stockholm

Epost:
post@bigertbergstrom.com

Mats Bigert
Telefon:
0708 57 86 52
Epost:
bigert@bigertbergstrom.com

Lars Bergström
Telefon:
0708 57 86 53
Epost:
bergstrom@bigertbergstrom.com

Representerade av:
Gallery Niklas Belenius, Stockholm

Galerie Barbara Thumm, Berlin
Cis Art Lodgers, Barcelona

 

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